Scalare Rosenheim

Verein der Aquarien- und Terrarienfreunde e.V.

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Microgeophagus ramirezi (Südamerikanischer Schmetterlingsbuntbarsch) - ein Zuchtbericht von Frank Helbig

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Microgeophagus ramirezi (Südamerikanischer Schmetterlingsbuntbarsch) - ein Zuchtbericht von Frank Helbig

Bild von Frank Helbig

Die lateinischen Namen vieler Fische ändern sich im Laufe der Zeit öfter einmal aufgrund neuerer Erkenntnisse. Auch die deutschen Pseudonyme unterscheiden sich teilweise deutlich. Der Microgeophagus ramirezi ist vielen Aquarianern unter dem Namen Papilliochromis ramirezi oder seiner deutschen Bezeichnung Südamerikanischer Schmetterlingsbuntbarsch bekannt. Seine Heimat ist das nordwestliche Südamerika (Venezuela und Kolumbien). Er bevorzugt also sehr weiches, pH-neutrales, warmes Wasser.

In meinem Gesellschaftsbecken habe ich über den Winter alles andere als Wasser mit den idealen Werten für diese Fische. Wasserhärte und pH-Wert sind viel zu hoch. Grund dafür: im Sommer kann ich zu 100% auf Regenwasser zurückgreifen, aber über den Winter muss ich Leitungswasser verwenden. Dieses hat bei uns eine Härte um die 20grd. Nach der winterlichen Heizperiode und den ersten kräftigen Regengüssen tausche ich dann im Frühjahr etappenweise den Aquarieninhalt gegen Regenwasser.

In den ersten fünf Monaten diesen Jahres hatte ich zusätzlich extreme Algenprobleme. Alles was man im Aquarium an Algen nicht braucht, hatte ich, blaue, schwarze, dunkelgrüne, auf den Pflanzenblättern festsitzende, im Wasser treibende, im Kies Haufen bildende, schmierige, faserige, büschelbildende, ...; kurz gesagt, mein Aquarium bot einen traurigen Anblick. Obendrein hatte das Wasser einen zunehmend üblen Geruch. Dennoch, meinen Fischen ging es gut. Sie fühlten sich derart wohl, dass sowohl die Maroni-Buntbarsche als auch die Schmetterlings-Buntbarsche alle drei Wochen ablaichten. Bei den Maroni-Buntbarschen verpilzten die Eier trotz intensiver Pflege durch die Elterntiere. Die Schmetterlingsbuntbarsche pflegten ihre Brut immer bis zum Schlüpfen der Larven und führten sie darüber hinaus sogar für einen Tag durch das Gesellschaftsbecken. Darin lebt neben den Barschen noch ein aus acht Tieren bestehender Schwarm Kirschflecksalmler.

Die Salmler dürften auch Schuld daran sein, dass es immer weniger Schmetterlingsbuntbarsch-Jungtiere wurden. Als ich am 21. Mai 2006 wieder ein Nest auf einer Wurzel mit einer größeren Anzahl Schmetterlings-Buntbarsch-Eiern sah, entschloß ich mich, die Larven kurz nach dem Schlüpfen mit einem Schlauch abzusaugen. Noch bevor die Elterntiere etwas von meiner geplanten Nesträuberei mitbekamen, war schon alles vorbei, die Larven komplett abgesaugt und das Nest leer. Ihre wilde Beiserei half nicht mehr, ihre Jungen zu beschützen.

Für zwei Tage gab ich die Jungen mit etwas Wasser aus dem Gesellschaftsbecken in einen kleinen überschaubaren geschlossenen Behälter und lies diesen auf der Oberfläche ihres künftigen Aufzuchtbeckens schwimmen. Dort konnte ich die Larven gut beobachten. Aus dem Hamburger Mattenfilter eines anderen Zuchtbeckens saugte ich Infusorien ab und gab diese zu den Larven, damit sie sobald sie fressen konnten und wollten etwas vorfanden. Ausserdem gab ich etwas Granulat hinzu, welches nach ein bis zwei Tagen zu weiterer Infusorienbildung anregt. Ab und zu saugte ich mit einem Strohhalm ab, was nicht ins Aufzuchtbecken gehört.

Die Jungtiere konnten noch nicht schwimmen, sondern torkelten mehr oder weniger ungeschickt durch das Wasser. Trotzdem entlies ich die Fische nach zwei Tagen in ein voll eingerichtetes Becken (25cmx25cmx40cm, Pflanzen, Kies, Hamburger Filter). Damit ausreichend Futter im Aufzuchtbecken war, gab ich etwa 20 Tropfen NobilFluid dazu. Noch für einige Tage sah es nicht besonders erfolgsversprechend aus, was sich da im Aufzuchtbecken entwickelte. Mit Schwimmen hatte das nicht viel zu tun, was die Jungtiere da vollführten.

Aber dann - die ersten sichtbaren Verdauungsergebnisse der Fische waren zu sehen und ein wenig hatten sie Bau angesetzt. Für mich als Züchter sind das natürlich die ersten Zeichen eines möglichen Zucherfolges.

Seit die Fische Artemia Nauplien fressen, nehmen sie gut an Größe zu.  Nach 20 Tage lassen sich allerdings nur noch etwa 10 Fische blicken. Wo die anderen sind, weiss ich nicht. Natürlich hoffe ich, dass sie sich im Dickicht des gut bepflanzenten Aufzuchtbeckens verstecken.

Beim Wasserwechsel und Scheibenputzen im Gesellschaftsbecken fand ich leider die verstorbene Mutter der Jungfische. Sie hatte vor ein paar Tagen wieder gelaicht. Die Brut war dieses Mal über mehrere Blätter einer Pflanze in der Nähe des Ansaugrohres meines Außenfilters verteilt. Trotz intensiver Pflege durch die Elterntiere und der ständigen leichten Strömung sind die Eier nicht gewachsen und nach zwei Tagen komplett verpilzt. Schade, denn jetzt MUSS ich die Jungtiere der ersten Brut groß bekommen.

Nach einem Monat kann man die Jungfische bereits als Schmetterlingsbuntbarsche erkennen. Die Farbe fehlt zwar noch aber die Flossen inklusive eines dunklen Strahles in der Rückenflosse sind schon deutlich erkennbar. Da die Tiere zu diesem Zeitpunkt noch extrem scheu sind, muss ich einiges an Geduld aufbringen, um sie ab und zu einmal beobachten zu können. Wobei immer die Frage zu stellen ist, wer da wen beobachtet.

Nach 50 Tagen freuen sich noch 7 Jungtiere bester Gesundheit. Sie wachsen und gedeihen und werden immer noch täglich mit Artemia-Nauplien gefüttert. Es scheint tatsächlich so zu sein, dass ich die meistenn Verluste innerhalb der ersten Woche hatte. Vermutlich wird der klägliche

Rest ohne Probleme weiter heranwachsen. Jetzt bin ich natürlich gespannt darauf, ob die Jungtiere eine ähnlich intensive Färbung wie ihr Eltern bekommen.

Nach 70 Tagen bekomme ich die Fische viel häufiger zu sehen als vorher. Offensichtlich haben sie ihre anfängliche Scheu verloren. Es wurde auch Zeit, das Aufzuchtbecken einmal gründlich zu reinigen. Das viele feine Futter birgt immer die Gefahr, das sich die Wasserqualität stark verschlechtert. Auf diese Art habe ich tatsächlich noch einen achten Schmetterlingsbuntbarsch entdeckt. Alle acht schwimmen jetzt in einem anderen seit ein paar Tagen eingefahrenen Becken. Drei dicke Coridoras Sterbei und zwei kleine Antennenwelse leisten ihnen dabei Gesellschaft. Um's Futter gibt es keinen Streit und die Welse sorgen für einen sauberen Bodengrund und algenfreie Pflanzen und Scheiben.


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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 26. Juli 2010 um 20:09 Uhr  

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